Nachhaltigkeit in der Gastroenterologie: Was „Greener Gastroenterology" für Leitlinien und Praxis bedeutet
Umweltschutz und Medizin galten lange als zwei getrennte Themenfelder. Inzwischen setzt sich jedoch zunehmend die Erkenntnis durch, dass beide eng miteinander verknüpft sind – und dass auch die Gastroenterologie hier eine wichtige Rolle spielt. Ein aktueller Fachbeitrag der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS), veröffentlicht im Rahmen der AWMF-Publikationsreihe, beschäftigt sich genau mit dieser Fragestellung: Wie lässt sich ökologische Nachhaltigkeit systematisch in medizinische Leitlinien integrieren, ohne die Versorgungsqualität zu gefährden? Wir fassen die zentralen Aussagen der neuen Erkenntnisse der DGVS für Sie zusammen.

Was bedeutet „Greener Gastroenterology"?
Der Begriff orientiert sich laut DGVS am Konzept der „Green Healthcare" und beschreibt den Versuch, die gastroenterologische Versorgung so zu gestalten, dass ihre Umweltbelastung sinkt, ohne dass dabei Behandlungsqualität, Patientensicherheit oder Wirksamkeit leiden. Im Zentrum steht dabei der Gedanke des „Planetary Health"-Konzepts: Die Gesundheit von Menschen ist eng an die Stabilität der Ökosysteme und die Einhaltung planetarer Belastungsgrenzen gekoppelt – etwa in Bezug auf Klimawandel, Artenvielfalt oder den Verbrauch natürlicher Ressourcen.
Besonders gut untersucht ist bislang der ökologische Fußabdruck der Endoskopie: Der hohe Verbrauch an Einwegmaterialien, Energie und Wasser sowie der Aufwand für Sedierung und Aufbereitung machen diesen Bereich zu einem naheliegenden Ansatzpunkt für nachhaltigere Praktiken.
Warum Leitlinien als Hebel dienen
Medizinische Leitlinien prägen gemäß des Fachbeitrags den klinischen Alltag maßgeblich, da sie wissenschaftliche Evidenz in konkrete Handlungsempfehlungen übersetzen und so den medizinischen Standard definieren. Genau deshalb eignen sie sich als wirkungsvoller Ansatzpunkt, um ökologische Aspekte strukturiert in die Versorgung einzubringen. In Deutschland werden Leitlinien unter dem Dach der AWMF entwickelt – die Fachgesellschaften, darunter auch die DGVS, tragen damit eine besondere Verantwortung, auch Nachhaltigkeitsaspekte in ihre Empfehlungen einzubeziehen.

Drei Ebenen, auf denen Nachhaltigkeit ansetzen kann
Der Fachbeitrag beschreibt drei zentrale Ansatzpunkte, an denen gastroenterologische Leitlinien zu mehr Nachhaltigkeit beitragen können:
1. Direkte Reduktion des ökologischen Fußabdrucks Hierzu zählen etwa Empfehlungen zur Vermeidung unnötiger Untersuchungen, zu sinnvollen Kontrollintervallen oder zum rationalen Einsatz diagnostischer Verfahren – mit dem Ziel, den Ressourcenverbrauch diagnostischer und therapeutischer Maßnahmen direkt zu senken.
2. Vermeidung ressourcenintensiver Krankheitsverläufe Je schwerer eine Erkrankung verläuft, desto höher ist in der Regel auch der Ressourcenverbrauch – etwa durch Hospitalisierung oder invasive Therapien. Eine evidenzbasierte, leitliniengerechte Versorgung, die Überversorgung vermeidet, wirkt sich daher indirekt auch positiv auf die Umweltbilanz aus. Als Instrument hierfür wird im Beitrag die Initiative „Klug entscheiden" genannt, die seit 2015 gemeinsam von der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin und der AWMF getragen wird und aktuell 19 gastroenterologische Empfehlungen zur Vermeidung unnötiger diagnostischer und therapeutischer Maßnahmen umfasst.
3. Prävention Da die Gastroenterologie ein stark präventiv ausgerichtetes Fach ist, sieht der Beitrag hier bereits eine gute Ausgangsposition. Maßnahmen wie Hepatitis-Screening, Darmkrebsvorsorge oder die frühzeitige Behandlung von Fettlebererkrankungen können langfristig nicht nur die Krankheitslast senken, sondern auch ressourcenintensive Folgeerkrankungen vermeiden.
Methodische Herausforderungen
Die Integration ökologischer Endpunkte in etablierte Bewertungssysteme wie GRADE ist methodisch anspruchsvoll. Der Beitrag verweist auf entsprechende Vorarbeiten einer niederländischen Arbeitsgruppe, die ökologische Auswirkungen als zusätzliche Endpunktdimension in die Leitlinienmethodik einbeziehen wollen – wichtig dabei: Ökologische Kriterien sollen patientenrelevante Endpunkte ergänzen, sie aber niemals ersetzen. Die größte aktuelle Limitation liegt den Autorinnen und Autoren zufolge weniger in der Methodik selbst als vielmehr im Mangel an belastbarer Evidenz zu den Umweltwirkungen medizinischer Maßnahmen.
Warum dieses Thema auch für die Kenntnisprüfung relevant ist
Fragestellungen zu aktuellen Entwicklungen in Leitlinien und evidenzbasierter Medizin – insbesondere in internistischen Kernfächern wie der Gastroenterologie – gehören regelmäßig zu den Themen, mit denen sich Prüfungskommissionen in der Kenntnisprüfung auseinandersetzen. Wer sich mit aktuellen Leitlinienthemen wie diesem vertraut macht, zeigt nicht nur fachliches Wissen, sondern auch ein Verständnis für die Grundprinzipien evidenzbasierter, leitliniengerechter Medizin – ein Aspekt, der in der mündlich-praktischen Prüfung häufig positiv auffällt.
Gut vorbereitet in die Kenntnisprüfung
Aktuelle Leitlinienthemen wie Greener Gastroenterology zeigen: Die Kenntnisprüfung verlangt mehr als reines Faktenwissen – gefragt ist ein solides Verständnis dafür, wie evidenzbasierte Medizin in Deutschland funktioniert und weiterentwickelt wird. In unseren Vorbereitungskursen für die Kenntnisprüfung in der Humanmedizin bereiten wir Sie gezielt auf genau diese Anforderungen vor – fachlich fundiert, praxisnah und mit Blick auf aktuelle Entwicklungen.
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